Motivklebefolie

Seitdem ich versuche mit dem Rauchen aufzuhören komme ich neuerdings auf ungewöhnliche Ideen. Wahrscheinlich sucht mein Kopf nach einer Ersatzbefriedigung. Leider tut er dieses auf einem Gebiet, auf dem Frustrationserlebnisse für mich nachgrade programmiert sind.

Alles fing heute recht harmlos damit an, dass ich mit der klaren Idee mir eine neue Lampe für den Nachttisch zu kaufen zum Baumarkt gefahren bin. Einem riesigen Baumarkt. Einen, wo selbst die Angestellten einen fragend ansehen wenn man sie nach irgendetwas fragt, das sich außerhalb ihrer eigenen Abteilung befindet. Da mir mein alter Fahrradkorb kürzlich gestohlen wurde – es mag gerade mal so drei Jahre her sein – dachte ich, es wäre sinnvoll bei der Gelegenheit einen neuen zu kaufen. Die Verkäuferin am Infotresen pflichtete mir voll und ganz bei und wies mir zielgerichtet den Weg Richtung Tapeten und Holzböden. Es mag überflüssig sein zu erwähnen, dass die Fahrradkörbe am anderen Ende des Baumarktes waren aber dieser Umweg führte mich zu einem Regal in welchem ich auf die tollste aller Erfindungen für den Heimwerkermarkt gestoßen bin. Der bedruckten Motivklebefolie.

Derjenige der sie nicht kennt: Es handelt sich um eine Klebefolie, die etwa so breit ist wie eine Tapetenrolle und die Selbstklebend ist. Und sie ist bedruckt mit so ziemlich allen möglichen Mustern erhältlich.

In meiner Kindheit waren Motivklebefolien übrigens das Universalmittel für alle anstehenden Schönheitsreparaturen. Als ich noch im Haus meiner Großeltern wohnte war es die Aufgabe meiner Großmutter, sich um kleinere Reparaturen am Hausrat zu kümmern, da mein Großvater sich nur für Großprojekte wie den Bau neuer Gewächshäuser zu begeistern wusste.

War eine Schrankwand nicht mehr ansehnlich, so kaufte meine Großmutter Motivklebefolie, auf welche ein ähnliches Holzmuster aufgedruckt war. Wenn zufällig auch die Farbe stimmte, war das umso besser. Wenn in der Küche etwas kaputt ging: Weiße Motivklebefolie gekauft und drüber geklebt. Ich behaupte ja bis heute, dass mein Großvater bei seinem Tod keinen neuen Sarg bekommen hat sondern auf einen alten einfach Motivklebefolie in Eiche-Rustikal aufgeklebt wurde.

Bei der Verarbeitung gibt es eigentlich tausend Sachen zu beachten, die auch alle brav auf der Verpackung stehen. Zu behandelndes Objekt ausmessen, Maße auf die Klebefolie übertragen, Einzelteile ausschneiden und dann erst die Schutzfolie entfernen und aufkleben. Das sind natürlich alles wesentliche Schritte die der gekonnt ahnungslose Handwerker gepflegt ignoriert. Ich kenne es so, dass man die Bahn einfach an das zu behandelnde Objekt hält, die Schutzfolie abzieht und hofft, dass man nicht schräg klebt und die Luftblasen und Kanten alle mit der einzigen Bürste beheben kann, die gerade zur Hand ist: Der Klobürste oder dem Schwanz der nächstbesten Katze.

Das überstehende schneidet man dann frei Hand mit einem Cuttermesser ab. Was dann noch übersteht wird dezent umgeklappt und man betet leise vor sich hin, dass da niemals jemand drauf schauen wird.

Mit den richtigen, knalligen Motivklebefolien und zusammengenieteten Sperrholzplatten können Könner übrigens große Einrichtungskunst wie das Billy-Regal von Ikea überzeugend nachmachen. Ich habe mir sogar sagen lassen, dass dies schneller ist als der Bedienungsanleitung für das Billy-Regal zu folgen.

Leider gehörte ich noch nie zu den Künstlern der Motivklebefolien. Dennoch überkam mich die Nostalgie an das 70er Jahre Fertighaus meiner Kindheit und ich dachte an eine Seitenwand meiner Spüle, die eigentlich im Original aus beklebter Pappe bestand (auch so eine geniale Konstruktion), deren zunehmende Schäbigkeit aber mittlerweile selbst ich nicht mehr ignorieren konnte. Ich entschied mich daher für eine Folie, welche auf weißen Grund ein weinrotes „barockes Muster“ zeigte und war voller Zuversicht, mittlerweile konzentrierter und feinfühliger mit diesem Material arbeiten zu können.

Ich hatte voll und ganz recht. So schön schräg habe ich wirklich noch nie jemals etwas aufgeklebt. Mag aber auch daran liegen, dass gerade kein Katenschwanz zu Verfügung stand.

Wenn Sie mich entschuldigen würden, ich muss noch zum Baumarkt eine Nachttischleuchte kaufen.

14.2.14 18:00

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen